Verpasst Yonex den Badmintonschläger-Mega-Trend?

Oliver hat 2016 mit einem Sensor im Badmintonschläger den Anfang gemacht um Badminton in ein neues Zeitalter zu katapultieren. Yonex hat sich als Marktführer im Badminton-Sport bisher auffällig zurück gehalten. Wir stellen uns die Frage, ob die Japaner Gefahr laufen hier einen großen Trend zu verpassen und damit das Schicksal zu erleben, das Nokia im Handy-Sektor ereilt hat.
Yonex

Yonex hat aktuell die unumstrittene Marktführerschaft im Badminton-Equipment. Als Ausrüster von knapp 80 Prozent aller Stars fällt es schwer zu glauben, dass Yonex im Badminton irgendwann keine Rolle mehr spielen könnte. Zweifelsfrei steckt die Sportwelt jedoch in einem Umbruch. Fitnesstracker erlauben schon seit geraumer Zeit Daten über gelaufene Meter und verbrannte Kalorien zu sammeln. Damit ist die Digitalisierung auch in den Sport vorgedrungen. Babolat hat als erstes erkannt, dass die Erfassung von Spieldaten auch für Schlägersportarten Sinn macht und hat einen Tennisschläger mit Sensor auf den Markt gebracht. Seitdem hilft Rafael Nadal als Werbepartner kräftig dabei den Sensor und die App zu etablieren. Yonex hat zumindest einige Tennisschläger am Griff mit Adaptern für den Smart Tennis Sensor von Sony ausgerüstet.

Wer jetzt gedacht hat, dass Yonex als Platzhirsch den Staffelstab aufnimmt und die Sensortechnik für Badmintonschläger adaptiert, wurde enttäuscht. Im Badminton hat sich zunächst wenig getan, bis in China 2015 ein Startup Namens Coolang einen Sensor auf den Markt gebracht hat, der sich am Griffboden von Badmintonschlägern extern befestigen lässt. Anfang 2016 dann die Überraschung. Nicht Yonex bringt den ersten Schläger mit integriertem Sensor auf den Markt, sondern Oliver mit dem Oliver PLASMA TX5. Der australische Rackethersteller kooperiert mit Coolang und setzt den intelligenten Sensor Racket Data System als erster im Griff eines Badmintonschlägers ein. Durch die Kooperation hat Oliver auch direkt eine umfangreiche App am Start, die z.B. Schlaggeschwindigkeiten in Echtzeit anzeigen kann.

Funkstille bei Yonex in Sachen Sensoren

Bei Yonex herrscht nach wie vor Funkstille in Sachen Sensorik im Badmintonschläger. Keine Ankündigungen, ob bei den Japanern ähnliche Features für die nächste Generation an Badmintonschlägern geplant ist. Der Marktführer läuft damit in unseren Augen Gefahr einen der Megatrends im Racketsport zu verpassen. Bisher waren es stets nur neue Materialien, die die Schlägerentwicklung in kleinen Schritten vorangebracht hatte. Doch seit dem Umstieg von Holz auf Aluminiumrahmen und dem anschließenden Schritt in Richtung Carbon und anderen Verbundwerkstoffen kam der Innovationsgrad bei neuen Badmintonschlägern fast zum erliegen. Einzige nennenswerte Innovation von Yonex war da noch das E-Tune-System mit dem man bei Schlägern der Voltric-Serie (z.B.Yonex Voltric 80 E-tune) über Gewichte an den Ösen die Balance anpassen kann. Verglichen mit den Möglichkeiten, die sich in der Trainingsanalyse und Spielbeobachtung durch einen Badmintonschläger mit Sensor ergeben, erscheint E-Tune jedoch wie ein System aus einer vergangenen Zeit.
Yonex

Zudem dürfte die Patentsituation rund um Sensoren in Schlägern von Jahr zu Jahr schwieriger werden. Bereits in anderen Branchen hat sich gezeigt, wie schnell der Abstieg von Weltmarktführern eingeläutet werden kann, wenn man wichtige Trends verpasst. Nokia und der verpasste Smartphone-Trend ist hier eines der präsentesten Beispiele. Innerhalb weniger Jahre wurde der zuvor so innovative finnische Ex-Marktführer komplett von der Konkurrenz überholt. Setzen sich Badmintonschläger mit Sensoren ähnlich schnell durch wie Smartphones, dann müssen Yonex und auch Victor aufpassen, dass sie nicht unter die Räder kommen. Badmintonspieler können sich im Gegenzug auf eine spannende Zeit voller neuer Features und Apps freuen, die das Training und die Spielanalyse in ein neues Badminton-Zeitalter katapultieren werden. Bleibt abzuwarten, ob Yonex dann noch die Schlägermarke Nr. 1 sein wird.